Beständewagnis

Beständewagnis 

Die unternehmerische Tätigkeit geht mit verschiedenen Risiken einher, die Verluste zur Folge haben können. Diese Risiken werden auch als Wagnisse bezeichnet. Grundsätzlich haben alle Wagnisse die Gemeinsamkeit, dass nicht vorhersehbar ist, ob, wann und in welchem Umfang sie eintreten.

Um die Risiken abzufangen, werden sie aber trotzdem in die Kosten- und Leistungsrechnung einbezogen. Deshalb wird in diesem Zusammenhang auch von den kalkulatorischen Wagnissen gesprochen. Die kalkulatorischen Wagnisse beinhalten die Einzelwagnisse, zu den unter anderem das Beständewagnis gehört.

 

Was sind Einzelwagnisse?

Einzelwagnisse stehen in direktem Bezug zu den Leistungen, die im Betrieb erstellt werden. Um die spezifischen Risiken abzubilden und in der Kalkulation zu berücksichtigen, werden die Einzelwagnisse auf Basis von Erfahrungswerten errechnet. Ein möglicher Ansatzpunkt dabei können beispielsweise die entstandenen Durchschnittsverluste in den vergangenen fünf oder zehn Jahren sein. Zu den Einzelwagnissen, die als kalkulatorische Wagnisse in der Buchführung erfasst werden, gehören beispielsweise:

·         das Anlagewagnis; hierunter fallen Schäden an Anlagegütern und Kosten durch Ausfallzeiten

·         das Entwicklungswagnis, das Verluste durch fehlgeschlagene Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten erfasst

·         das Fertigungswagnis; hierzu zählen Verluste und Mehrkosten infolge von Konstruktions- und Produktionsfehlern

·         das Gewährleistungswagnis, das Ausgaben für Gewährleistungs- und Garantieleistungen beziffert

·         das Vertriebswagnis; hierbei handelt es sich hauptsächlich um Forderungsausfälle und Währungsverluste

Risiken, die bereits in anderer Form abgedeckt sind, werden aber nicht als kalkulatorische Wagnisse verrechnet. Dies ist beispielsweise bei Risiken der Fall, für die eine Versicherung besteht. Sichert sich das Unternehmen etwa durch eine Kreditversicherung gegen Forderungsausfälle ab, fließt die Versicherungsprämie als Aufwand in die Buchführung ein.

Außerdem bleibt auch das allgemeine Unternehmenswagnis außen vor. Das allgemeine unternehmerische Risiko beinhaltet beispielsweise die Gefahr einer Insolvenz oder Verluste als Folge der Inflation oder der Wirtschaftslage. Das allgemeine Unternehmenswagnis zu kalkulieren, ist nicht möglich. Deshalb wird dieses Wagnis nicht als Kostenbestandteil erfasst. Stattdessen erfolgt der Ausgleich durch den Gewinn des Unternehmens.

 

Was ist das Beständewagnis?

Das Beständewagnis zählt ebenfalls zu den Einzelwagnissen und damit zu den Risiken, die als kalkulatorische Wagnisse in der Buchhaltung erfasst werden. Dabei beschreibt das Beständewagnis das Schwundrisiko der Lagerhaltung. Ursache für das Beständewagnis ist einerseits der allgemeine Schwund, der durch die Qualitätsminderung bei einer langen Lagerzeit, einer Überalterung der Waren, einem Schädlingsbefall oder dem Ablauf der Mindesthaltbarkeit entsteht. Andererseits wird das Beständewagnis durch Faktoren wie Diebstahl oder Beschädigungen verursacht. Auch ein möglicher Preisverfall fließt in das Beständewagnis ein.

Das Beständewagnis lässt sich kalkulatorisch mithilfe von Erfahrungswerten ausrechnen. So kann beispielsweise ein Obsthändler bei seiner Preiskalkulation berücksichtigen, dass er zehn Prozent seiner Ware entsorgen muss, weil er aus Erfahrung weiß, dass er das gesamte Obst nicht verkaufen kann, solange es frisch ist. Neben dem üblichen Lagerrisiko müssen zwar auch außergewöhnliche Ereignisse wie eine Überschwemmung, ein Sturmschaden oder ein Brand berücksichtigt werden. Solche Schadensfälle lassen sich jedoch versichern. Und die Versicherungsprämie fließt ganz normal als Aufwand in die Buchhaltung ein. 

 

Wie lautet die Rechenformel für die kalkulatorischen Wagnisse?

Die Basis für die Berechnung der Einzelwagnisse bildet ein Wagnissatz. Dieser Wagnissatz ergibt sich aus den Schadensfällen und den dadurch entstandenen Kosten, die im Durchschnitt in den vergangenen Jahren eingetreten sind. Die Wagnisverluste als solches fallen zwar unterschiedlich hoch und mit Blick auf den Zeitpunkt unregelmäßig aus.

Allerdings muss das Unternehmen davon ausgehen, dass sowohl in der aktuellen Rechnungsperiode als auch in Zukunft vergleichbare Risiken eintreten werden. Aus diesem Grund ist es möglich, mit den vorhandenen Erfahrungswerten zu rechnen. Und dabei kommen zwei Rechenformeln zur Anwendung, nämlich: 

 

Wagnissatz = Summe der eingetretenen Wagnisverluste : Summe der Basisgrößen
Wagniskosten = Wagnissatz x Ist-, Normal- oder Planbezugsgröße

 

Beispielrechnung für das Beständewagnis

Angenommen, das Unternehmen hält in seinem Lager Ware im Wert von 100.000 Euro vor. Als Umsatzerlös aus dieser Ware werden in der aktuellen Rechnungsperiode 250.000 Euro angestrebt. In der Vergangenheit musste das Unternehmen aber lagerbedingte Verluste von durchschnittlich 5.000 Euro verzeichnen. 

Um den Wagnissatz für das Beständewagnis auszurechnen, müssen die lagerbedingten Verluste als eingetretene Wagnisverluste durch den Warenwert im Lager als Basisgröße geteilt werden: 

Summe der eingetretenen Wagnisverluste : Summe der Basisgrößen = Wagnissatz

5.000 € : 100.000 € = 0,05

 

Da das Unternehmen mit der eingelagerten Ware einen Umsatzerlös von 250.000 Euro erzielen will, muss dieser angestrebte Umsatzerlös mit dem Wagnissatz multipliziert werden. Daraus ergeben sich die Wagniskosten:

 

Wagnissatz x Planbezugsgröße = Wagniskosten

0,05 x 250.000 € = 12.500 €

 

In der aktuellen Rechnungsperiode belaufen sich die Beständewagniskosten demnach auf 12.500 Euro. Das heißt: Das Unternehmen geht davon aus, dass es lagerbedingte Verluste in Höhe von 12.500 Euro verzeichnen wird. Folglich würde das Unternehmen pro Monat rund 1.042 Euro als Beständewagnis in die Kosten- und Leistungsrechnung einrechnen.

Mehr Ratgeber, Tipps und Anleitungen:

Thema: Beständewagnis

Teilen:

Kommentar verfassen